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Longevity und gesundes Altern: Dr. Karin Stengg über Lebensstil, Prävention und die Zukunft der Gesundheit

Die Menschen werden heute deutlich älter als noch vor wenigen Jahrzehnten. In vielen europäischen Ländern liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bereits bei über 80 Jahren. Doch eine entscheidende Frage wird dabei immer wichtiger: Wie viele dieser Jahre verbringen wir tatsächlich gesund?

Mit genau dieser Frage beschäftigt sich Dr. Karin Stengg, Wirbelsäulenchirurgin und Expertin für Healthy Aging und Longevity. In ihrer medizinischen Arbeit beschäftigt sie sich intensiv mit den Faktoren, die bestimmen, wie wir altern – und vor allem damit, wie wir die gesunden Lebensjahre verlängern können.

Dabei zeigt sich immer wieder: Altern ist kein Prozess, der ausschließlich durch Gene bestimmt wird. Vielmehr spielen Lebensstil, Bewegung, Ernährung, Stress und soziale Beziehungen eine entscheidende Rolle.

Foto: Tristan Le/Pexels

Chronologisches Alter und biologisches Alter

Ein wichtiger Unterschied in der Longevity-Forschung ist der zwischen chronologischem und biologischem Alter.

Das chronologische Alter beschreibt schlicht die Anzahl der Jahre, die ein Mensch lebt. Das biologische Alter hingegen zeigt, wie alt der Körper tatsächlich ist. Zwei Menschen können also gleich alt sein – und dennoch völlig unterschiedliche körperliche Voraussetzungen haben.

Dr. Karin Stengg erklärt, dass moderne medizinische Forschung immer stärker versucht, dieses biologische Alter messbar zu machen. Dabei werden beispielsweise epigenetische Marker untersucht, also Veränderungen in der Aktivität unserer Gene.

Diese Marker zeigen, wie stark bestimmte Alterungsprozesse im Körper bereits fortgeschritten sind.

Das Entscheidende dabei: Das biologische Alter ist nicht unveränderlich. Es kann durch unseren Lebensstil beeinflusst werden.

Gene bestimmen nicht alles

Viele Menschen gehen davon aus, dass ihre Gene festlegen, wie sie altern. Doch laut Dr. Karin Stengg machen genetische Faktoren nur einen Teil des Gesamtbildes aus.

Schätzungen zufolge bestimmen Gene etwa 30 Prozent unserer Gesundheit und Lebenserwartung. Der deutlich größere Einfluss liegt in unserem Verhalten und in unserer Umwelt.

Hier kommt ein Begriff ins Spiel, der in der modernen Medizin immer wichtiger wird: Epigenetik.

Epigenetik beschreibt die Mechanismen, die bestimmen, welche Gene aktiv sind und welche nicht. Ernährung, Bewegung, Stress oder Schlaf können diese Prozesse beeinflussen.

Mit anderen Worten: Unsere täglichen Entscheidungen wirken sich direkt darauf aus, wie unsere Gene arbeiten.

Was wir von den Blue Zones lernen können

Ein besonders spannendes Forschungsfeld in der Longevity-Medizin sind die sogenannten Blue Zones. Dabei handelt es sich um Regionen der Welt, in denen Menschen überdurchschnittlich häufig ein sehr hohes Alter erreichen.

Zu den bekanntesten Blue Zones zählen unter anderem Sardinien in Italien, Ikaria in Griechenland und Okinawa in Japan.

Obwohl diese Regionen kulturell sehr unterschiedlich sind, haben sie einige Gemeinsamkeiten. Menschen in diesen Regionen bewegen sich regelmäßig im Alltag, essen überwiegend natürliche Lebensmittel und leben in starken sozialen Gemeinschaften.

Dr. Karin Stengg betont, dass besonders die Kombination mehrerer Faktoren entscheidend ist. Es geht nicht nur um Ernährung oder Bewegung, sondern um einen ganzheitlichen Lebensstil.

Die vier Säulen gesunden Alterns

Aus der medizinischen Forschung lassen sich mehrere zentrale Faktoren ableiten, die gesundes Altern unterstützen. Dr. Karin Stengg spricht häufig von vier grundlegenden Säulen.

Die erste Säule ist Bewegung. Regelmäßige körperliche Aktivität unterstützt das Herz-Kreislauf-System, stärkt die Muskulatur und verbessert den Stoffwechsel. Dabei muss es nicht immer intensiver Sport sein. Schon tägliche Bewegung kann eine große Wirkung haben.

Die zweite Säule ist Ernährung. Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit wichtigen Nährstoffen und unterstützt viele Stoffwechselprozesse.

Die dritte Säule ist mentale Gesundheit. Chronischer Stress kann zahlreiche Prozesse im Körper negativ beeinflussen. Ausreichende Erholung, guter Schlaf und mentale Balance sind daher wichtige Bestandteile eines gesunden Lebensstils.

Die vierte Säule sind soziale Beziehungen. Studien zeigen, dass Menschen mit stabilen sozialen Netzwerken häufig gesünder altern. Gemeinschaft, Familie und Freundschaften spielen eine wichtige Rolle für Lebensqualität und Wohlbefinden.

Bewegung als Schlüssel für ein gesundes Leben

Ein besonders wichtiger Faktor für gesundes Altern ist laut Dr. Karin Stengg die regelmäßige Bewegung.

Viele Menschen glauben, dass sie intensiven Sport treiben müssen, um ihre Gesundheit zu verbessern. Doch schon einfache Aktivitäten können viel bewirken.

Spaziergänge, Radfahren oder leichte sportliche Aktivitäten tragen dazu bei, den Stoffwechsel zu aktivieren und das Herz-Kreislauf-System zu stärken.

Gerade Initiativen wie die Firmenchallenge Österreich zeigen, wie Bewegung in den Alltag integriert werden kann. Wenn Menschen gemeinsam aktiv werden, fällt es vielen leichter, neue Gewohnheiten zu entwickeln.

Foto: Marcus Aurelius/Pexels 

Prävention statt Reparaturmedizin

Ein wichtiger Punkt in der Longevity-Forschung ist der Wandel von einer reinen Reparaturmedizin hin zu einer präventiven Medizin.

Viele Erkrankungen entstehen über Jahre hinweg durch Lebensstilfaktoren. Wenn diese frühzeitig erkannt und verändert werden, lassen sich zahlreiche gesundheitliche Probleme vermeiden.

Dr. Karin Stengg betont deshalb, wie wichtig frühe Prävention und Gesundheitsbewusstsein sind. Je früher Menschen beginnen, auf Bewegung, Ernährung und Stressmanagement zu achten, desto größer ist der Effekt auf ihre langfristige Gesundheit.

Fazit: Gesund älter werden ist kein Zufall

Die Erkenntnisse von Dr. Karin Stengg, Wirbelsäulenchirurgin und Longevity-Expertin, zeigen deutlich, dass gesundes Altern nicht allein von genetischem Glück abhängt.

Vielmehr entsteht Gesundheit durch eine Kombination aus Bewegung, Ernährung, mentaler Balance und sozialen Beziehungen.

Wer diese Faktoren bewusst in seinen Alltag integriert, kann nicht nur seine Lebenserwartung erhöhen – sondern vor allem die Qualität seiner Lebensjahre verbessern.

Initiativen wie die Firmenchallenge Österreich zeigen, wie Bewegung und Gesundheitsbewusstsein auch im Arbeitsalltag gefördert werden können.

Denn letztlich geht es beim Thema Longevity nicht nur darum, länger zu leben. Entscheidend ist vor allem, wie gesund und aktiv wir diese Jahre verbringen.