Kann man Stress wegessen? Ernährungsberaterin Anastasia Plechinger über Stress, Ernährung und innere Balance
Stress gehört für viele Menschen zum Alltag. Termindruck, Informationsflut, ständige Erreichbarkeit und ein Lebensstil, der uns selten zur Ruhe kommen lässt, prägen heute den Tagesablauf vieler Menschen. Doch Stress ist nicht nur ein Gefühl oder eine mentale Belastung. Er wirkt sich direkt auf unseren Körper aus – auf Hormone, Stoffwechsel, Zellgesundheit und unser Energielevel.
Die Ernährungsberaterin Anastasia Plechinger, die sich intensiv mit der Verbindung zwischen Ernährung, Mikronährstoffen und Stress beschäftigt, erklärt im Rahmen der Firmenchallenge Österreich, warum Ernährung eine entscheidende Rolle für unsere Widerstandskraft spielt. Ihre zentrale Botschaft: Ernährung kann Stress nicht einfach verschwinden lassen – aber sie kann den Körper dabei unterstützen, Belastungen besser zu regulieren und langfristig resilienter zu werden.
Foto: Tara Winstead/Pexels
Stress ist heute ein Dauerzustand
Zu Beginn stellt Anastasia Plechinger oft eine einfache Frage: Wie hoch war das persönliche Stresslevel im vergangenen Jahr?
Die meisten Menschen antworten darauf mit „mittel“ oder „hoch“. Stress ist längst kein Ausnahmezustand mehr, sondern für viele ein dauerhafter Begleiter im Alltag.
Dabei hatte Stress ursprünglich eine wichtige Funktion. In der Evolution half er dem Menschen, auf Gefahren zu reagieren. Sobald eine Bedrohung auftauchte, schüttete der Körper Stresshormone aus. Energie wurde mobilisiert, der Puls stieg, der Blutzucker erhöhte sich. Der Körper bereitete sich darauf vor, zu kämpfen oder zu fliehen.
Heute reagieren unsere Körper noch immer auf dieselbe Weise. Der Unterschied ist jedoch, dass unsere Stressoren selten körperliche Gefahren sind. Zeitdruck, Bildschirmarbeit, künstliches Licht, Umweltreize oder dauernde Erreichbarkeit aktivieren dieselben biologischen Prozesse.
Der Körper schüttet Hormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus, der Blutzucker steigt und Energie wird bereitgestellt. Doch anders als früher folgt auf diese Aktivierung oft keine körperliche Bewegung. Die Energie bleibt im System – und Stress kann sich dauerhaft aufbauen.
Was Stress auf Zellebene bewirkt
Anastasia Plechinger erklärt, dass Stress nicht nur unser Verhalten beeinflusst, sondern auch Prozesse auf zellulärer Ebene verändert.
Unter Stress entstehen sogenannte freie Radikale. Diese Moleküle besitzen ein Elektron zu wenig und versuchen, dieses von anderen Molekülen zu übernehmen. Dadurch kann eine Kettenreaktion entstehen, die Zellen schädigt.
Dieser Prozess wird als oxidativer Stress bezeichnet und steht mit vielen gesundheitlichen Problemen in Verbindung.
Hier kommen Antioxidantien ins Spiel. Sie besitzen überschüssige Elektronen und können freie Radikale neutralisieren. Je mehr antioxidative Stoffe wir über die Ernährung aufnehmen, desto besser kann der Körper diese Prozesse ausgleichen.
Deshalb lautet eine der einfachsten Empfehlungen von Anastasia Plechinger:
„Esst den Regenbogen.“
Je bunter der Teller, desto größer ist meist die Vielfalt an antioxidativen Pflanzenstoffen. Besonders Obst und Gemüse mit intensiven Farben liefern wertvolle Schutzstoffe für den Körper.
Stress verbraucht wichtige Nährstoffe
Ein weiterer entscheidender Punkt ist der Zusammenhang zwischen Stress und Mikronährstoffen.
Unter Belastung verbraucht der Körper deutlich mehr Vitamine und Mineralstoffe. Diese werden benötigt, um Energie zu produzieren, das Nervensystem zu stabilisieren und Zellprozesse aufrechtzuerhalten.
Zu den wichtigsten gehören:
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Vitamin A – unterstützt den Eisenstoffwechsel und trägt dazu bei, dass Sauerstoff effizient im Körper transportiert werden kann. Dadurch beeinflusst es direkt Energie und Leistungsfähigkeit.
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B-Vitamine – spielen eine zentrale Rolle für den Energiestoffwechsel und das Nervensystem. Besonders bei chronischem Stress steigt der Bedarf deutlich.
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Vitamin C – wirkt stark antioxidativ, unterstützt das Immunsystem und hilft dem Körper, andere Antioxidantien zu regenerieren.
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Vitamin D – beeinflusst zahlreiche Prozesse im Körper, darunter Immunfunktion, Stimmung und Schlaf.
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Vitamin E – schützt Zellen vor oxidativem Stress und unterstützt die langfristige Zellgesundheit.
Diese Mikronährstoffe sind deshalb nicht nur Ergänzungen der Ernährung, sondern entscheidende Bausteine für die Stressregulation im Körper.
Warum viele Menschen Nährstoffmängel haben
Aus ihrer Arbeit berichtet Anastasia Plechinger, dass viele Menschen bei Blutanalysen suboptimale Nährstoffwerte aufweisen.
Ein Grund dafür ist unsere moderne Ernährung. Viele Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte werden im Alltag seltener konsumiert, während gleichzeitig ein stressiger Lebensstil mehr Mikronährstoffe verbraucht.
Die Folgen können sich auf unterschiedliche Weise zeigen. Menschen berichten von Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, Reizbarkeit, Verdauungsbeschwerden oder einem allgemeinen Gefühl von Erschöpfung.
Diese Symptome erhöhen wiederum das subjektive Stressempfinden. Ein Kreislauf entsteht, der sich gegenseitig verstärkt.
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Kann man Stress wirklich „wegessen“?
Die zentrale Frage lautet daher: Kann man Stress tatsächlich wegessen?
Die Antwort von Anastasia Plechinger ist differenziert. Ernährung kann Stress nicht vollständig beseitigen. Sie kann jedoch entscheidend dazu beitragen, wie gut der Körper mit Belastungen umgehen kann.
Eine ausgewogene Ernährung kann dabei helfen,
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freie Radikale zu neutralisieren
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Nährstoffspeicher wieder aufzufüllen
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das Nervensystem zu stabilisieren
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die Energieproduktion im Körper zu unterstützen
Dadurch wird der Organismus insgesamt widerstandsfähiger gegenüber Stress.
Kleine Veränderungen mit großer Wirkung
Die Ernährungsberaterin betont, dass es oft keine radikalen Veränderungen braucht. Schon kleine Anpassungen können eine große Wirkung haben.
Mehr frisches Gemüse und Obst, eine abwechslungsreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeit sind einfache Schritte, die den Körper unterstützen können.
Auch regelmäßige Bewegung spielt eine wichtige Rolle. Bewegung hilft dabei, Stresshormone abzubauen und den Stoffwechsel zu stabilisieren.
Genau hier setzt auch die Firmenchallenge Österreich an. Wenn Menschen gemeinsam Bewegungsminuten sammeln, entsteht nicht nur mehr Aktivität im Alltag. Viele Teilnehmende berichten auch, dass sie während der Challenge bewusster auf andere Aspekte ihrer Gesundheit achten – etwa Ernährung, Schlaf oder Stressmanagement.
Fazit: Ernährung als Baustein für Resilienz
Die Erkenntnisse von Ernährungsberaterin Anastasia Plechinger zeigen deutlich, dass Stress nicht nur eine mentale Herausforderung ist. Er ist ein komplexer körperlicher Prozess, der zahlreiche Systeme im Körper beeinflusst.
Ernährung allein kann Stress nicht vollständig lösen. Sie kann jedoch einen wichtigen Beitrag leisten, um den Körper widerstandsfähiger, stabiler und belastbarer zu machen.
Wer versteht, wie Stress im Körper wirkt und wie Nährstoffe ihn beeinflussen, kann bewusster mit seiner Energie umgehen.
Und manchmal beginnt dieser Prozess tatsächlich ganz einfach – mit einem bunten Teller auf dem eigenen Tisch.




















