Wertschätzung, Vertrauen und Teamgeist: Was Manuela Wenger und Clemens Doppler über erfolgreiche Zusammenarbeit verraten
Was macht ein Team wirklich erfolgreich? Viele Unternehmen investieren viel Zeit in Strategien, Prozesse oder neue Tools für bessere Zusammenarbeit. Doch laut Manuela Wenger, Expertin für Unternehmenskultur und Leadership, liegt der entscheidende Faktor oft an einer viel grundlegenderen Stelle: im täglichen Umgang miteinander.
Im Gespräch über erfolgreiche Teamarbeit wird schnell deutlich, dass Wertschätzung, Vertrauen und Kommunikation die Basis jeder funktionierenden Zusammenarbeit sind. Eine Perspektive, die auch Clemens Doppler, ehemaliger Beachvolleyball-Profi, Olympiateilnehmer und mehrfacher Staatsmeister, aus dem Spitzensport bestätigt. Seine Erfahrungen zeigen, dass erfolgreiche Teams im Sport und im Unternehmen erstaunlich viele Gemeinsamkeiten haben.
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Wertschätzung beginnt im Alltag
Für Manuela Wenger beginnt Wertschätzung nicht in großen Leitbildern oder Managementseminaren, sondern im Alltag. Ihre erste Erfahrung mit diesem Thema machte sie bereits als Kind im Lebensmittelgeschäft ihrer Eltern. Dort gehörte es ganz selbstverständlich dazu, Menschen freundlich zu begrüßen, zuzuhören und ihnen das Gefühl zu geben, willkommen zu sein.
Diese Erfahrung hat sie geprägt. Heute arbeitet Manuela Wenger mit Unternehmen daran, wertschätzende Unternehmenskulturen aufzubauen, und erlebt dabei immer wieder, wie stark sich der Umgang miteinander auf Motivation und Leistung auswirkt.
Für sie zeigt sich Wertschätzung vor allem in kleinen Gesten: in Aufmerksamkeit, ehrlichem Interesse und dem Gefühl, dass die eigene Arbeit gesehen wird. Wenn Menschen spüren, dass ihre Leistung wahrgenommen wird, steigt automatisch ihre Motivation.
Vier Faktoren erfolgreicher Teams
In ihrer Arbeit mit Organisationen beschreibt Manuela Wenger vier zentrale Elemente, die erfolgreiche Teams prägen.
Der erste Faktor ist gesehen werden. Viele Mitarbeitende berichten in Workshops, dass sie sich im Arbeitsalltag manchmal unsichtbar fühlen. Dabei kann bereits ein kurzes Feedback oder ein anerkennendes Wort viel bewirken.
Der zweite Faktor ist verstanden werden. Wertschätzung funktioniert nur dann, wenn Menschen versuchen, die Perspektive des anderen zu verstehen. Unterschiedliche Arbeitsweisen oder Persönlichkeiten müssen nicht zum Problem werden – sie können Teams sogar stärker machen.
Der dritte Faktor ist Vertrauen. Teams arbeiten produktiver, wenn Verantwortung geteilt wird. Wer ständig kontrolliert wird, verliert schnell Motivation. Vertrauen schafft dagegen Raum für Eigeninitiative.
Der vierte Faktor ist ernst genommen werden. Mitarbeitende möchten spüren, dass ihre Ideen zählen und ihre Meinung gehört wird – unabhängig von ihrer Position im Unternehmen.
Was Spitzensport über Teamarbeit lehrt
Eine spannende Ergänzung zur Perspektive aus der Unternehmenswelt liefert Clemens Doppler, der viele Jahre im internationalen Spitzensport aktiv war. Als Beachvolleyballspieler weiß er aus eigener Erfahrung, wie wichtig Vertrauen und Kommunikation für den Erfolg eines Teams sind.
Im Beachvolleyball besteht ein Team aus nur zwei Spielern. Fehler werden sofort sichtbar, und beide Spieler sind vollständig aufeinander angewiesen. Wenn die Kommunikation nicht funktioniert oder das Vertrauen fehlt, hat das unmittelbare Auswirkungen auf die Leistung.
Clemens Doppler betont deshalb, dass Konflikte in Teams völlig normal sind. Unterschiedliche Meinungen gehören dazu – im Sport genauso wie im Berufsleben. Entscheidend sei jedoch, Konflikte auf der Sachebene auszutragen und die Beziehungsebene zu schützen.
Kritik kann klar formuliert werden, solange sie respektvoll bleibt.
Feedback als Teil der Entwicklung
Ein weiterer Unterschied zwischen Spitzensport und vielen Unternehmen liegt im Umgang mit Feedback.
Im Sport gehört Feedback zum Alltag. Nach jedem Training wird analysiert, was gut funktioniert hat und wo Verbesserungsmöglichkeiten bestehen. Diese Rückmeldungen erfolgen direkt und regelmäßig.
Im Arbeitsalltag passiert das dagegen oft viel seltener. Viele Mitarbeitende erhalten Feedback nur einmal im Jahr im Mitarbeitergespräch.
Manuela Wenger empfiehlt deshalb, Feedback stärker in den Alltag zu integrieren. Regelmäßige, ehrliche und konstruktive Rückmeldungen helfen Teams, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Ein hilfreicher Grundsatz lautet dabei: Kritik sollte sachlich formuliert werden, während Anerkennung ruhig persönlich sein darf.
Vertrauen statt Kontrolle
Sowohl Manuela Wenger als auch Clemens Doppler betonen, dass Vertrauen eine zentrale Rolle für erfolgreiche Zusammenarbeit spielt.
Im Spitzensport muss sich jeder Spieler darauf verlassen können, dass sein Partner Entscheidungen trifft, die dem Team helfen. Wenn ein Spieler ständig an seinem Partner zweifelt, entsteht Unsicherheit – und die Leistung leidet.
Ähnlich ist es im Unternehmen. Teams arbeiten am besten, wenn Menschen Verantwortung übernehmen dürfen und Führungskräfte ihnen Vertrauen entgegenbringen.
Mikromanagement kann kurzfristig Sicherheit vermitteln, langfristig jedoch Motivation und Kreativität reduzieren.
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Gemeinsame Ziele verbinden
Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor für Teams ist ein gemeinsames Ziel. Wenn Menschen zusammen auf ein Ziel hinarbeiten, entsteht automatisch eine stärkere Verbindung.
Initiativen wie die Firmenchallenge Österreich zeigen, wie stark dieser Effekt sein kann. Wenn Mitarbeitende gemeinsam Bewegungsminuten sammeln, entsteht ein spielerischer Wettbewerb, der gleichzeitig den Teamgeist stärkt.
Viele Teams motivieren sich gegenseitig, gehen gemeinsam spazieren oder tauschen sich über ihre Aktivitäten aus. Dadurch entsteht ein Gefühl von Zusammenhalt, das über den Arbeitsalltag hinaus wirkt.
Fazit: Erfolgreiche Teams entstehen durch Haltung
Die Perspektiven von Unternehmenskultur-Expertin Manuela Wenger und Spitzensportler Clemens Doppler zeigen deutlich, dass erfolgreiche Teams im Sport und im Unternehmen auf ähnlichen Prinzipien basieren.
Wertschätzung, Vertrauen, offene Kommunikation und gemeinsame Ziele schaffen ein Umfeld, in dem Menschen motivierter arbeiten und besser zusammenarbeiten können.
Programme wie die Firmenchallenge Österreich können dabei ein wichtiger Impuls sein. Sie bringen Menschen zusammen, fördern Bewegung und schaffen gemeinsame Erfolgserlebnisse.
Am Ende entscheidet jedoch nicht nur eine Initiative über den Erfolg eines Teams. Entscheidend ist vor allem die Haltung im Alltag: eine Haltung, in der Menschen einander zuhören, respektieren und gemeinsam Verantwortung übernehmen.




















